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Frida kostet nichts, aber das ist nicht wahr

Im Bett mit Bussi-Bär
von Sophie Andresky

Über Babysprache und Blümchensex

 

„Hasi? Will mein Mäuselchen ein Knutschilein auf Bäckili? Komm, saugi, mach pöt-pöt mit Lümmelchen.“ Was will ein Mensch, der so etwas im Bett sagt? Vielleicht eine frische Windel? Oder ist es der abgeschleppte Bussibär, der gleich nach seinem Honig oder Freund Ferkel quengeln wird?

Zugegeben, es ist nicht ganz einfach, geradeheraus zu sagen, was man im Bett gerne möchte. Manche stellen sich dabei an, als probten sie gerade ein Stück für die neue Aufklärungsreihe der Augsburger Puppenkiste: Jim Knopf und das multiple Orgasmiermonster, Urmel  treibt’s mit Winnie Pooh oral oder Tinky Winky, Dipsy und Laa-Laa erleben heißen Sandwichsex. Da darf man sich nicht wundern, wenn ein Glas warme Milch auf dem Nachttisch die einzige Flüssigkeit ist, die in dieser Nacht ausgetauscht wird.

Dass hattu-muttu-kantu-Sätze eher an Häschenwitze denken lassen als an feuchtes Schubbern, heiseres Stöhnen und lustvolles Ineinandergleiten, ist die eine Sache. Die andere ist die, dass man bei allzu blumigen Formulierungen wie „oh lasse deinen munteren Kolibri auf meiner Blütenspitze trillieren“ oft einfach nicht weiß, was nun eigentlich gemeint ist.

Richtig romantisch sind präzise Angaben natürlich eher weniger. Manche Männer bräuchten da ja einen Kompass oder einen ADAC-Atlas Wege zur Lust und Schnellstraßen der Leidenschaft: „Also, fahr jetzt mit dem Daumen ganz leicht über die Härchen auf meinen Mösenlippen, nicht drücken, nur drübergleiten, rutsch dann tiefer, und wenn du den Kitzler gefunden hast. Ganz sachte kreisen. Macht dein Finger in meiner Spalte schmatzende Geräusche vor Feuchtigkeit, schiebst du den Zeigefinger ganz langsam tief in mich hinein. Nicht bohren, dehnen, rütteln oder die Presslufthammer-Nummer, sondern tauchen.“ Da weiß der Lover, was er tun soll. Und apropos Romantik: vergesst sie. 

Romantik ist prima beim Date vorher. Mit Pralinen gefüttert zu werden, während der Mann der Stunde lobpreist, was ihm an meinem Körper rühmenswert erscheint, ist ein netter Einstieg. Auch bei gemeinsamen Badespielen kann ich schwimmenden Rosenblättern, flackernden Teelichtern, tiefen Blicken und Einsichten in das Seelenleben meines zukünftigen Beischläfers sehr viel abgewinnen. Und hinterher ist das gereichte Glas eiskalter Pflaumenwein und der Glückskeks, in dem sich ein Zettel mit du bist so wundervoll befindet, eine tolle Sache. Überhaupt jederzeit dürfen Männer romantisch sein, die Skala ist nach oben offen, schmalzt und turtelt, bis ihr euch vorkommt wie das verliebte Stinktier Pepe, aber:

Beim Sex, ich meine während der eigentlichen heißen Phase, in der man sich aus den Klamotten gehäutet hat, sich zitternd umeinander krallt und die Zungen verknotet, als könnte man den Rachen hinuntertauchen, da ist Romantik schlicht und einfach fehl am Platz. Es gibt nicht nur einen sprachlichen Unterschied zwischen „ficken“ und „Bubu  machen“, sondern auch einen inhaltlichen. Das eine törnt an, das andere trötet ab.

Und das ist genau der Punkt. Dirty Talk ist nicht nur ein Vermitteln von Fakten so wie eine Erledigungsliste, die mann sich übers Bett hängt, um alles richtig zu machen: „Brustwarzen saugen, Ohrläppchen knabbern, Halsbeuge nicht vergessen, Kitzler lecken, warten bis stöhnt, Frau umdrehen, Hintern hoch, durch Beine durchfassen, Kitzler wichsen, a tergo ficken, sie zuerst kommen lassen, hinterher nicht über Cellulitis reden.“ Dirty Talk ist auch eine Art Gleitmittel fürs Gehirn. Ein gegenseitiges Masturbieren des Sprachzentrums. Das Wunderbare daran: Verbal vögeln kann man stundenlang und selbst in der Öffentlichkeit. Im Restaurant zum Beispiel. In der vollbesetzten U-Bahn. Im Schwimmbad. Im Ausland sogar in Zimmerlautstärke, wenn man sicher ist, dass niemand deutsch spricht. Eine Hemmschwelle hat am Anfang jeder.

Als ich meine erste pornographische Geschichte schrieb, hatte ich die ganze Story fertig bis auf die Sexszene. Fast eine halbe Stunde bin ich mit feuchtem Höschen auf dem Schreibtischstuhl herumgerutscht, bis ich mich getraut habe, „Möse“ zu schreiben, schlimmer noch „meine Möse“. Und wieder etwas ganz anderes ist es, es nicht nur aufzuschreiben, sondern jemandem ins Gesicht zu sagen. Sich gegenseitig vorlesen hilft. Einmal ganz pragmatisch Begriffe abzusprechen, die beide mögen, hilft auch. Was nutzt es, wenn mitten in der künstlerischen Pause eines heißen Blowjobs die ganze Pracht in sich zusammenschrumpelt, nur weil man „Penis“ gesagt hat, wo er gern „Hammermörderbolzen“ gehört hätte.

Und vielleicht habe ich mich ganz zu Beginn auch geirrt und der Bussibär hatte nur ein Kommunikationsproblem. Vielleicht will ein Mensch, der gerade „Kriegt das Wuschi Schleckchen?“ säuselt, gar keinen neuen Nuckel, sondern etwas ganz anderes unbeschreiblich Heißes? Wär schön, wenn ich das dann wüsste.

 

Die freie Autorin Sophie Andresky ist 1973 geboren. 1997 1. Platz "Joy Key Award", Preis für erotische Kurzprosa der Zeitschrift Penthouse. Ihr 5. Buch “Honigmund.” erschien im Frühjahr 2005 bei Bastei Lübbe.nach oben

© FRIDA 2005

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